Nikon F401

Seit der EM hatte kein anderes Modell so viel Verwirrung in der Nikon-Fangemeinde gestiftet wie die Nikon F401. Sollte das etwa die Abkehr von der Profi-Edelschmiede hin zum Knipser-Massenmarkt sein? Die Nikon F401 besitzt zwar ebenfalls das bewährte F-Bajonett, doch mit Nicht-AF-Objektiven ist nicht einmal eine Belichtungsmessung möglich. Wo blieb die Systemtreue, für wen war die Nikon F401 gedacht?

Seit Anfang der 80er Jahre boomte es bei den AF-Kompaktkameras. Technisch immer raffinierter und zunächst mit zwei Brennweiten und später richtigen Zooms ausgerüstet, wurden sie auch für den potentiellen SLR-Kunden interessant. Genau für diese Gruppe der fotografischen Aufsteiger sollte die F401 sein. Diejenigen, die sich zu einer SLR wegen ihrer vermeintlich komplizierten Bedienung nicht so recht durchringen konnten, trotzdem mit der Möglichkeit des Objektivwechsels liebäugelten, sollten mit der F401 angesprochen werden: einer SLR mit dem Bedienungskomfort einer Sucherkamera.

Das Gehäuse fällt auf mit einem extrem groß geformten Handgriff, abgerundeten Ecken und Kanten sowie einem im Sucherprisma eingebauten Mini-Elektronenblitz. Der Auslöser liegt versenkt im abgeschrägten Griff. Ins Bild von Nikons konservativer Einstellung zu den Bedienungselementen - das soll positiv verstanden sein - paßt, daß auch an der F401 Einstellräder statt Tipptasten und Skalen statt LC-Anzeigen dominieren. Nicht nur das übliche eine Einstellrad für die Verschlußzeiten, sondern auch ein zweites für die Blendeneinstellung. Abgedeckt durch eine dunkle Kunststoffscheibe ragen nur die Kanten der Einstellräder etwas heraus. Ein Verdrehen des Zeitenrades aus der C-Stellung setzt die F401 in Betrieb. Das Zeitenrad eingestellt auf A und das Blendenrad auf S, ist die Programmautomatik aktiviert.

Die Kamera verfügt über ein Normal- und ein Kurzzeitprogramm, letzteres schaltet sich selbsttätig ein, wenn ein AF-Objektiv ab 135 mm Brennweite angesetzt ist oder diese Marke bei einem entsprechenden Zoom überschritten wird. In der Zeitautomatik wird durch das Blendeneinstellrad die gewünschte Blende vorgewählt, nicht, wie sonst üblich, am Blendenring des Objektivs. Der muß hingegen immer auf der kleinsten Blende stehen und in diese Position verriegelt sein. Bei Blendenautomatik ist es genau umgekehrt: die Zeit wird vorgewählt, und der Blendenring steht auf S. Und sollte wirklich jemand manuell mit der F401 arbeiten wollen, bleibt ihm das mit Hilfe der beiden Einstellräder ebenfalls unbenommen. Neben dem Blendenrad angeordnet ist die Rückspultaste mit ihrem Sicherungsschieber, ein Betätigen der beiden setzt die motorische Rückspulung - Dauer etwa 25 Sekunden - in Gang.

Im Sucher - fest eingebaut - brilliert eine strahlend helle Einstellscheibe, wie beim Typ B ohne Einstellhilfen. An Sucherinformationen gibt es nur das Nötigste, weder Blenden- noch Zeitenanzeige verwirren den F401-Fotografen. Man hat sich, ähnlich der FM2, auf +, - und einen Kreis für korrekte Belichtung beschränkt. Blinkt das Kreissymbol, besteht Verwacklungsgefahr, da dann die Verschlußzeit unter 1/30 Sek. gesunken ist. Blinkt eines der beiden anderen Zeichen, liegt Über- oder Unterbelichtung vor. Blinken das Plus- und das Minus-Symbol abwechselnd, wurde der Blendenring am Objektiv nicht auf die kleinste Blende eingestellt.

Neben diesen Anzeigen ist eine grüne LED für die korrekte Scharfeinstellung im Sucher sichtbar und natürlich die Blitzbereitschaftsanzeige, die bei der F401 allerdings noch eine weitere Funktion hat: Im Normalfall ermittelt die Kamera die Belichtung mit einer Drei Zonen-Mehrfeldmessung beim Drücken der Meßwertspeicher-Taste schaltet sie auf die 40:60%-Messung um. Erkennt die Mehrfeldmessung einen hohen Motivkontrast, z.B. bei Gegenlichtsituationen, empfiehlt die Kameraelektronik durch Blinken der Blitzbereitschafts-Anzeige das Zuschalten des eingebauten Blitzgerätes. Folgt man dieser Empfehlung, ist das Resultat ein ausgewogenes, aufhellgeblitztes Foto, ohne daß der Fotograf dazu eine umständliche Rechnerei zur Abstimmung von vorhandenem und Blitzlicht anstellen mußte.

Das Einschalten des eingebauten Blitzgerätes bei der Nikon F401 erfolgt durch Druck auf die links und rechts vom Reflektor angebrachten Entriegelungsknöpfe - der Reflektor klappt hoch. Für den Normalfall reicht zum Aufhellen der eingebaute Blitz mit seiner bescheidenen Leistung von Leitzahl 12 aus. Durch seine Nähe zur optischen Achse des Objektivs ist wie bei den Sucherkameras die Gefahr roter Augen bei Personenaufnahmen jedoch recht groß. Wer sich damit nicht abfinden und die Leistung außerdem steigern möchte, kann die fortschrittliche Blitztechnik der F401 jedoch auch in Verbindung mit einem aufgesteckten TTL-gesteuerten Blitzgerät benutzen.


Links des Suchers herrscht gähnende Leere, abgesehen vom dort angeordneten Selbstauslöser, per Knopfdruck aktiviert. Der AF-Wahlschalter auf der Frontseite verfügt über lediglich zwei Positionen: nur eine für den Autofokus-Modus nach dem Prinzip der Schärfenpriorität (S) sowie M für manuelle Scharfeinstellung. In der Praxis manches Mal verwunderlich ist eine Eigenheit der F401, bei der es trotz erfolgter und angezeigter AF-Scharfeinstellung gelegentlich bis zu 1 Sek. zur Auslösung dauerte. Und das, obwohl man der Kamera das gerade neuentwickelte AM-200 Modul spendierte, das auch in der F801 und der F4 Verwendung findet.

In dieser Beziehung gibt sich die F401 für ihre Zeit nämlich überhaupt nicht spartanisch, 200 CCD gegenüber den 48 der F501 bedeuten, daß auch feinstrukturierte Flächen wie beispielsweise ein Teppichboden dem AF-System genügend ''Stoff'' für die einwandfreie automatische Scharfeinstellung liefern. Darüberhinaus sind die Sensoren diagonal angeordnet, damit auch bei waagerechten Details oder runden Objekten eine bessere Erkennung gewährleistet wird. Die Empfindlichkeit des Systems setzt schon zwei Blendenstufen unter der F501 ein und steigert sich bei den nachfolgenden KameramodellenF401 s weiter.

Aus diesem Grund sind die Non-AF-Objektive zwar ansetzbar, aber wenig sinnvoll im Gebrauch. Lediglich die Scharfeinstellhilfe funktioniert und die Verschlußzeiten sind einstellbar.

Auch der Einsatz des AF-Telekonverters TC-16 A ist nicht möglich. Um sicherzustellen, daß das AF-Objektiv wirklich auf die kleinste Blende eingestellt ist, befindet sich am Außenrand des Bajonetts ein Kontakthebel. Neben dem Handgriff sitzt einsam der Belichtungsmeßwertspeicher. Im Kameraboden wird nach Öffnen einer Klappe das Batteriefach zugänglich. Vier Mignonzellen à 1,5 Volt übernehmen die gesamte Stromversorgung, sie liefern genügend Energie für etwa 20 Filme, wobei 50% geblitzter Aufnahmen zugrundegelegt werden.

Unter der Bezeichnung F401 QD wurde die F401 alternativ auch mit einer fest angesetzten Datenrückwand angeboten. Einbelichten lassen sich bei ihr wahlweise das Datum oder die Uhrzeit.

Eigentlich zu Unrecht hat es die F401 immer schwer gehabt, sich am Markt und vor allem auch in der Vorstellung der Nikon-Fans zu behaupten. Ein Fotofachverkäufer hat in diesem Zusammenhang geäußert, eine solche Kamera könne von jeder anderen Marke erwartet werden, nicht aber von Nikon. Hier gibt es offensichtlich Parallelen zu einem anderen Modell: auch beim Erscheinen der F3 gab es Proteste der eingefleischten Nikon-Freaks, die nur wenig später stolz und völlig selbstverständlich ihre anfangs als elektronisches Spielzeug abgetane Kamera einsetzten.