Nikon F5

Es liegt auf der Hand, daß die Nikon F5 als Nikons Topmodell eine Art Quintessenz der Nikon Kompetenz in Sachen SLR darstellt. Der folgende Abschnitt möchte daher auch dem, der die Nikon F5 nicht erwerben kann oder will, einen allgemeinen Überblick über diese Kamera verschaffen. Die ganze Funktionsvielfalt der Nikon F5 kann und soll hier jedoch nicht erschöpfend behandelt werden.

Die rasante Entwicklung in der Fotografie hängt eng zusammen mit der eher noch schnelleren im Computerbereich. So ist es nicht verwunderlich, daß gerade die bewußt konservativ gehaltene F4 trotz herausragender Qualität nach wenigen Jahren von ''aktuelleren'' Kameras umzingelt war. Immer mehr Profis (und Amateure, die sich eine Spitzenkamera leisten konnten) wollten die neuen elektronischen Möglichkeiten umfassender nutzen können als in ein Gehäuse mit traditionellen Bedienelementen einzubauen ist. Nikon selber hatte mit der einst formidablen F801 vorgemacht, daß auch komplexe elektronische Funktionen mit einem durchdachten Bedienungskonzept gut und logisch steuerbar sein können.

Andere Marken zogen Anfang der Neunziger dank konsequenter Erneuerung ihrer Produktpalette im Kampf um Marktanteile mit Nikons Topmodellen gleich oder gar an ihnen vorbei. Mit Kameras wie der F90 X zeigte Nikon zwar, daß man in der Lage war, den technologischen Anschluß zu halten, ohne auf Systemtreue zu verzichten. ''Wann lehrt Nikon die Konkurrenz wieder das Fürchten?'' war dennoch spätestens ab 1994 die Frage in den Fachblättern. Denn zumindest auf dem deutschen Markt hatte Nikon eine Zeitlang den Ruf des Herstellers von Spitzenprodukten gegen das Image ''zuverlässig aber altbacken'' eingetauscht. Der Fluch des guten Namens: von Nikon erwartet man eben immer mehr. Mitte 1996 erschienen die ersten Nikon F5 in Deutschland. Schlagartig kam die Definition dessen, was eine Traumkamera ist, wieder von Nikon.

Ergonomisch ist dem Designerteam um Giorgio Giugiaro mit der Nikon F5 fast so etwas wie die Quadratur des Kreises gelungen: Die Kamera wirkt gleichermaßen modern designed und zeitlos wie ein Klassiker. Auf den ersten Blick fällt auf, daß sie weiterhin eine klassische Rückspulkurbel besitzt. Dann bemerkt man ein zweites LC-Display an der Kamerarückwand und ein kreisrundes Bedienungselement in der Rückwandklappe. Als nächstes ertappt man den Zeigefinger seiner rechten Hand dabei, wie er ein Einstellrad vorne am Handgriff dreht und stellt fest, daß die Nikon F5 zwei Einstellräder besitzt - das gewohnte hintere Rad für den Daumen ist geblieben. Der Hochformatauslöser der Nikon F5 ist fest integriert und das ganze Gehäuse der Kamera aus einem Guß. Diese einteilige Konstruktion verleiht dem Gehäuse eine höhere Stabilität als eine zweiteilige, wie sie bisher üblich war - und bietet etwas zusätzlichen Platz zum Einbau der komplexen ''Mechanik''.

Das massive Gehäuse der Kamera besteht aus einer gehärteten Druckguß-Aluminiumlegierung. Das Suchergehäuse (wechselbar nach alter F-Tradition) ist aus Titan gefertigt. Nikon selber spricht von ''Panzerung'', wenn auch höflich in Anführungszeichen. Alle Tasten und Knöpfe der Nikon F5 sind gegen das Eindringen von Feuchtigkeit und Staub abgedichtet. Das Gewicht der Kamera - ohne die zum Betrieb nötigen acht Mignonbatterien oder den Akku MN-30 - beträgt stolze 1210 Gramm. Das ist viel, aber deutlich weniger als eine ''große'' F4 E auf die Waage bringt. Erstaunlicherweise liegt die Nikon F5 so gut in der Hand, daß das Gewicht keine Rolle zu spielen scheint. Auch kleine Hände kommen mit der Kamera gut zurecht.

Das Autofokus-Modul MultiCam 1300 wurde für die Nikon F5 neu entwickelt und hält z.Zt. den AF-Weltrekord. Die Nikon F5 bietet laut Nikon auch mit einem 300-mm-Tele perfekte Schärfenachführung bis auf 19,3 m bei einer Objektgeschwindigkeit von 300 km/h. Das AF-Modul besitzt insgesamt fünf Autofokus-Meßfelder, die außer dem mittleren Bereich auch den linken, rechten, oberen und unteren Teil des Bildformates erfassen. Zu dem üblichen Belichtungs-Meßkreis der meisten Nikon Einstellscheiben sind daher fünf kreuzförmig angebrachte Klammernpaare im Sucher zu sehen, die die Position der AF-Meßfelder markieren. Die Klammern um das jeweils aktive Feld sind grau unterlegt. Das gewünschte Meßfeld wird bei entsprechender Einstellung der Kamera am AF-Meßfeldwähler angewählt (dem ''kreisrunden Bedienungselement'' in der Rückwand). Er wird mit dem Daumen der rechten Hand bedient, läßt sich aber auch abschalten und ein beliebiges der Felder läßt sich als Hauptmeßfeld für den AF definieren. Oder Sie stellen die Nikon F5 auf ''Dynamischen AF-Betrieb''. Dann wird das scharfzustellende Objekt, wenn es sich bewegt, von einem Meßfeld ans nächste ''weitergereicht'' und bleibt auch außermittig stets fokussiert. Im Modus AF-Dynamik ist der Autofokus ungemein sicher. Der Fotograf ist bei der Gestaltung des Bildes nicht mehr darauf angewiesen, das wichtige Detail zum Scharfstellen in die Bildmitte zu legen.

Der AF und die Arbeitsgeschwindigkeit der Nikon F5 sind also unübertroffen, doch die Kamera bietet noch mehr Weltneuheiten: Im serienmäßigen Meßsucher DP-30 steckt eine völlig neue Art der Belichtungsmessung. Nikon bezeichnet sie als ''Drei-D-Color-Matrixmessung''. Dahinter steckt ein RGB-Sensor (rot, grün, blau), dessen 1005 Pixel auch die Farbverteilung des Motivs messen. In die endgültige Belichtungsmessung der Nikon F5 gehen die Helligkeit, der Kontrast, die Entfernung (bei Verwendung von Objektiven mit D-Chip), die Lage des gewählten AF-Meßfeldes und die Farbverteilung des Motivs ein. Keine andere Kamera bezieht so viele unterschiedliche Parameter in ihre Belichtungsmessung mit ein. Sie alle werden mit einem Algorithmus bearbeitet, der auf den Daten von 30 000 Aufnahmen aus der fotografischen Praxis beruht. In der überwiegenden Mehrzahl aller Aufnahmesituationen kann der Fotograf blind auf die Belichtungsmessung der Nikon F5 vertrauen und sein Sehvermögen zur Bildkomposition einsetzen.

Will oder muß der Fotograf die Belichtungsmessung jedoch selber beeinflussen, so stehen ihm bei der Nikon F5 unterschiedliche Möglichkeiten offen, die er beliebig kombinieren kann: zum einen kann er zwischen der vorgestellten 3D-Color-Matrixmessung, der mittenbetonten und der Spotmessung wählen.

Die Spotmessung ist an das jeweils aktive Autofokus-Meßfeld gekoppelt. Zum zweiten bietet ihm die Nikon F5 die Möglichkeit, die mittenbetonte Messung nach eigenen Vorstellungen zu verändern. Statt der Standard-Gewichtung von 75% auf den 12 mm großen Meßkreis kann er sie auf einen Kreis von 8 mm Durchmesser legen oder den Durchmesser auf 15 oder 20 mm erweitern. Auch das Ausschalten der Mittenbetonung, also rein integrale Messung, ist möglich.

Wird die Nikon F5 an einen Computer angeschlossen, läßt sich der Meßschwerpunkt mit Hilfe der Photo-Manager-Software für die Nikon F5 beliebig zwischen einem und 20 mm ändern. Drittens steht dem Fotografen die übliche Möglichkeit zur Verfügung, eine von der Kamera gemessene Belichtung nach Plus oder Minus zu korrigieren - nach Belieben in drittel oder halben Blendenstufen.

Wie heute üblich, verfügt die Nikon F5 über die vier
Betriebsarten der Belichtungssteuerung:

Manuell bedeutet heute nur noch den erhöhten Einsatz des Fotografen. Die Nikon F5 steuert sämtliche eingestellten Parameter elektronisch und die Anzeigen der Kamera geben jederzeit Aufschluß darüber, was die Belichtungsmessung sich bei den vom Fotografen eingestellten Werten so ''denkt''. Das ist spätestens seit Einführung der F801 im Jahr 1989 so üblich. Neu an einer Profi-Nikon ist jedoch das vordere Einstellrad und damit verbundene Änderungen im Handling: steuert das hintere Rad bei manueller Arbeitsweise wie gewohnt die Belichtungszeit, so hat der Fotograf bei der Nikon F5 die Wahl, ob er die Blende mit dem vorderen Rad oder in bekannter Manier am Blendenring des Objektivs einstellt. Typisch für Nikons ''professionelle'' Kameras ist dabei, daß der Käufer einer Nikon F5 nicht von vorneherein auf die neue Art der Blendeneinstellung festgelegt wird, sondern die Wahl hat zwischen der gewohnten und der neuen Arbeitsweise.

Auch bei der Zeitautomatik wird der Benutzer sich entscheiden müssen, ob er die gewünschte Blende am Objektiv oder am vorderen Einstellrad der Kamera wählt. Die dazu passende Zeit steuert dann wie üblich die Kamera bei. Für manuellen Abgleich und für Zeitautomatik gelten folgende Besonderheiten: Erstens muß der Blendenring des Objektivs auf die kleinste Öffnung gedreht sein, damit das vordere Einstellrad an der Kamera als Blendenrad funktioniert. Zweitens steht die kleinste Blende bei Einstellung am Objektiv nur zur Verfügung, wenn sie auch kameraseitig mit dem Blendenrad eingestellt wurde. Eine Individualfunktion (#22) erlaubt das Abschalten der Blendenrad-Funktion des vorderen Einstellrades. Dann funktioniert die Nikon F5 wie eine Nikon ohne vorderes Rad und die kleinste Blendenöffnung ist stets verfügbar - auch bei Non-AF-Objektiven.

Bei der Blendenautomatik wählen Sie die Belichtungszeit in Drittelstufen mit dem hinteren Einstellrad. Die Kamera sucht die passende Blende dazu. Das Objektiv muß auf die kleinste Blendenöffnung gedreht sein, damit die Kamera auf sie zugreifen kann. Haben Sie das einmal vergessen, blinkt ''FEE'' im Sucher.

Die Programmautomatik sucht sich nach einer in der Kameraelektronik aufgezeichneten Steuerkurve die richtige Zeit/Blendenkombination. Sie können sie aber nach Belieben ''shiften'', d.h. mit dem hinteren Einstellrad die Parameter Zeit und Blende verändern, ohne daß die Gesamtbelichtung sich ändert. Was dabei wechselt, ist die Bildwirkung; längere Zeit bedingt mit einer kleineren Blendenöffnung mehr Schärfentiefe und möglicherweise erhöhte Verwacklungsgefahr, kürzere Zeit verringert Verwacklungsrisiko und Schärfenbereich. Das vordere Einstellrad bleibt bei Blenden- und Programmautomatik ohne Funktion, das hintere bei Zeitautomatik.

Eine der ungewöhnlichsten Neuerungen der Nikon F5 ist sicher das zweite LC-Display auf der Rückseite der Kamera.

Es erlaubte den Technikern, das Haupt-Display auf jene Anzeigen zu beschränken, die für besonders wichtig gehalten wurden. Anzeigen, die eher selten abgefragt werden, wanderten auf das Zweit-LCD, z.B. die aktuelle ISO-Einstellung der Kamera. Ein Vorteil: die Übersichtlichkeit des Haupt-Displays. Die Anzeige der Daten konnte recht groß ausfallen. Wer mit einer leichten Tendenz zur Fehlsichtigkeit im Nahbereich geschlagen ist, vermag die Anzeigen der Nikon F5 sicher besser zu entziffern als die der meisten anderen Kameras. Beide LC-Displays sind bei frontaler Betrachtung etwas schwerer zu erkennen. Die Nikon Techniker haben der üblichen Kamerahaltung entsprechend dafür gesorgt, daß die Anzeigen beim Blick von schräg hinten (oberes Display), bzw. schräg oben (hinteres Display) optimal lesbar sind. Außerdem sind beide Anzeigen auf Wunsch beleuchtbar.


Der Sucher ist, wie gesagt, für langjährige Nikon Fotografen etwas gewöhnungsbedürftig. Das liegt sicher an den erwähnten fünf AF-Meßfeldern, aber auch an den kleinen Pfeildreiecken, die dezent oben und rechts am Sucherrand aufleuchten. Sie sollen dazu dienen, das aktivierte AF-Meßfeld auch dann anzuzeigen, wenn man eine Einstellscheibe benutzt, die nicht über die eckigen Klammern zur Anzeige der AF-Meßfelder verfügt.

Im Normalfall werden Sie die Dreiecke - zwei oben zur Anzeige des linken oder rechten Meßfeldes, drei rechts für das obere, mittlere oder untere Feld - bald gar nicht mehr bemerken. Die restlichen Sucheranzeigen sind trotz der gebotenen Informationsfülle übersichtlich und gut lesbar. Angezeigt werden mit der Standard-Einstellscheibe EC-B der Referenzkreis für die mittenbetonte Messung und die fünf AF-Meßfelder. Unabhängig von der gewählten Einstellscheibe informiert die Anzeige des Suchers DP-30 über:
Belichtungs-Betriebsart

Verschlußzeit

gewählte Arbeitsblende

eingespiegelte Arbeitsblende am Blendenring des Objektives

manuelle Belichtungsabstimmung (plus/korrekt/minus)

Belichtungsabstimmung mit elektronischer Analoganzeige

Belichtungskorrektur

fixierte Verschlußzeit

fixierte Arbeitsblende

Meßcharakteristik

Bildzählerstand/Belichtungskorrekturwert

gewähltes AF-Feld

Schärfe/Unschärfe (per Schärfenindikator)

Blitzbereitschaft

Daß diese Menge an Information den Fotografen nicht erschlägt, liegt vor allem daran, daß die Sucheranzeigen sehr gut gestaltet sind. Die Information drängt sich nicht auf. Man weiß nach kurzer Gewöhnung, wo man was findet - wenn man es braucht. Ansonsten kann man die angebotenen Daten ''vergessen''.
Die Kamera bietet vier Filmtransportarten: S, CS, CL und CH. S wie ''Single'' aktiviert die Einzelbildschaltung. CS, ''Continuous Silent'', kommt auf lediglich ein Bild pro Sekunde, dafür aber ganz besonders leise, CL für ''Continuous Low'' bewegt den Film um ca. drei Bilder/sec weiter. Arbeitet die Nikon F5 in der Filmtransportart CH, erleben Sie einen weiteren Weltrekord: Sie belichten in einer einzigen Sekunde acht Bilder. Das heißt, die Kamera in Ihrer Hand hat in dieser Sekunde achtmal: das Objektiv neu scharfgestellt, die Belichtung gemessen, den Schwingspiegel hoch und heruntergeklappt, die Blende auf den vorgewählten Wert geschlossen und wieder geöffnet, den Schlitzverschluß am Film vorbeigezogen - und zwar exakt in der jedesmal neu gemessenen richtigen Zeit - und den Film selber weitertransportiert.

Und Sie haben es vermutlich nicht einmal richtig mitbekommen, denn die Nikon F5 ist auch in ''CH'' leise und äußerst erschütterungsarm. Es gibt zwar noch schnellere Kameras (die F2 H kommt auf zehn Bilder/sec.). Ihre Geschwindigkeit erzielen sie jedoch alle unter Verzicht auf den Rückschwingspiegel, der aus dem Strahlengang schwingt, wenn die Aufnahme belichtet wird. Sie besitzen einen teildurchlässigen Spiegel, der nicht mehr hochgeklappt werden muß. Das erleichtert das Erzielen hoher Belichtungsfolgen enorm - und schluckt Licht für die Aufnahme. Tatsächlich ist die Nikon F5 die einzige Kamera, die einen kompletten Arbeitsgang, wie oben beschrieben, bis zu achtmal in der Sekunde ausführen kann. Und das auch mit großen Teleobjektiven. Ein Film mit 36 Aufnahmen ist bei Bedarf in 4,5 Sekunden durchgejagt - und in vier Sekunden zurückgespult.


Der Schwingspiegel der Nikon F5 ist zum guten Teil verantwortlich für die hohe Arbeitsgeschwindigkeit der Kamera: Er besitzt einen ausgeklügelten Massenausgleich, der den Spiegel ohne Nachschwingen zum Stillstand bringt. Seine quasi erschütterungsfreie Bewegung erlaubt es, deutlich früher mit dem nächsten Fokussiervorgang zu beginnen, und unterstützt damit die hohe Bildfrequenz in einem wichtigen Punkt. Auch die unvermeidliche Dunkelphase im Sucher ist dank der schnellen Spiegelbewegung so kurz geworden, daß sie kaum noch auffällt.

Der Verschluß der Nikon F5 ist völlig neu konstruiert. Nikon bezeichnet ihn als ''Doppelvorhang-Verschluß''. Er besteht wie jeder Schlitzverschluß aus zwei Vorhängen: wird der erste fortgezogen, wird der Film belichtet, bis der zweite Vorhang das Bildfenster wieder schließt. Der Schlitzverschluß der Nikon F5 ist im Unterschied zu herkömmlichen Schlitzverschlüssen aber so konstruiert, daß sich im Ruhezustand nicht nur der eine, sondern beide Vorhänge vor dem Bildfenster befinden. Dadurch ist der Film, auch bei hochgeklapptem Spiegel, besonders sicher vor Licht geschützt.
Beide Vorhänge bestehen aus je vier Lamellen, drei aus glasfaserverstärkem Epoxydharz, die vierte aus Aluminium. Der Verschluß ist für 150 000 Auslösungen konstruiert. Damit verspricht Nikon eine etwa dreimal so hohe Lebensdauer des Verschlußsystems wie die Konkurrenz. Dennoch, so Nikon, könnten Betriebstemperaturen und andere Umwelteinflüsse die Genauigkeit des Verschlusses ja vielleicht beeinträchtigen.
Als zusätzliche Sicherheit haben die Ingenieure deshalb eine Instanz eingebaut, die den Verschluß bei jeder Auslösung blitzschnell auf seine Ganggenauigkeit kontrolliert: Mittels einer Lichtschrankenkonstruktion überprüft die CPU der Kamera bei jeder Aufnahme, ob die tatsächliche Belichtungszeit mit der gemessenen übereinstimmt. Eventuelle Abweichungen werden bei der folgenden Aufnahme von der Kamera-CPU automatisch ausgeglichen.
Zur Geschwindigkeit wie auch zum geringen Betriebsgeräusch der Nikon F5 tragen wesentlich die vier Motoren bei, die ins Gehäuse integriert wurden. Je einer ist zuständig für die Verschlußspannung, für den Filmtransport, für die Rückspulung und für die Fokussierung des angesetzten Objektivs. Alle Motoren sind kernlos konstruiert und extrem schwingungsarm gelagert.
Das Rückwand-Display dient unter anderem auch der Anzeige der Individualfunktionen (IF). 24 an der Zahl, sind sie durch Druck auf die Taste ''CSM'' (Custom Functions) und gleichzeitiges Drehen des hinteren Einstellrades aufzurufen. Die Werte der jeweiligen Funktion werden mit dem vorderen Einstellrad gewählt. Auf alles detailliert einzugehen, was den eigenen Vorlieben oder Bedürfnissen entsprechend eingestellt werden kann, sprengt den Rahmen, deshalb hier nur eine Auswahl:
automatischer Filmstopp bei Filmende, Bild 35 oder 36 wählbar

kontinuierlicher AF: Wahl zwischen Schärfe- und Auslösepriorität

Umschaltung des Autofokus vom Auslöser auf alleinige Aktivierung durch die AF-Starttasten

Belichtungsspeicherung beim Antippen des Auslösers

mittenbetonte Belichtungsmessung:

Änderung des Meßschwerpunkts

Selbstauslöser: Wahl der Vorlaufzeit zwischen 2 und 60 sec.

längere Belichtungszeiten: freie Wahl von 40 sec bis 30 min.

Abschaltung der Meßsysteme: Wahl zwischen 4, 8, 16 oder 32 sec.

Schärfenindikatoren im Sucher abschaltbar

TTL-Blitzsynchronzeit zwischen 1/60 und 1/300 sec. wählbar

Drehrichtung der Einstellräder: Wertänderung umkehrbar

Wie gesagt, das sind nur einige der Individualfunktionen, die eine weitgehende Anpassung an Vorlieben und Bedürfnisse des Besitzers ermöglichen.
Hinzu kommen weitere Einstellungen, die mit dem Programm ''Photo Manager for F5'' wählbar sind. Die Kamera wird über ein Kabel MC-33 (ab Windows 95) oder MC-34 (Apple Macintosh ab System 7.1) an einen Computer angeschlossen und mit Hilfe des Photo Manager erhält man dann Zugriff auf die Elektronik der F5. Der Photo Manager ermöglicht unter anderem:

ferngesteuerte Einstellung und Bedienung der Kamera.

das Herunterladen und Speichern von Aufnahmedaten der Nikon F5 zur Weiterbearbeitung oder Archivierung am Computer

Dateneinbelichtung auf Bild Nr. 0

Umschaltung von ''B'' auf ''T'', d.h., der Verschluß bleibt nicht mehr geöffnet, solange der Auslöser niedergedrückt wird, sondern öffnet sich nach dem ersten und schließt nach dem zweiten Drücken

Umschaltung von ''B'' auf ''T'', d.h., der Verschluß bleibt nicht mehr geöffnet, solange der Auslöser niedergedrückt wird, sondern öffnet sich nach dem ersten und schließt nach dem zweiten Drücken

die Fixierung von Kameraeinstellungen

Wie gesagt, das ist nur eine Auswahl an Möglichkeiten. Zwei Änderungen, die viele Fotografen sich seit langem wünschen, ermöglicht der Photo Manager leider nicht: Erstens die automatische Rückspulung nach dem letzten Bild, denn so schnell die Nikon F5 auch ist, durch den manuellen Befehl zum Rückspulen verliert man ein paar Sekunden, die man beim Filmwechsel in einer hektischen Situation lieber einsparen würde. Zweitens läßt sich die Kamera leider nicht so programmieren, daß die Filmzunge zwecks leichterer Dunkelkammer-Arbeit nach der Rückspulung aus der Filmpatrone sieht.

Die Fähigkeiten der Nikon F5 hängen, was den Einsatz von Blitzgeräten angeht, ganz entscheidend vom verwendeten Gerät ab. Sicher ist man gut beraten, wenn man zu einem Nikon Systemblitz greift. Außerdem sollte möglichst ein AF-D-Nikkor für Blitzaufnahmen eingesetzt werden, denn die Kamera verarbeitet von der CPU des angesetzten Objektives erhaltene Daten, u.a. über den Abstand zwischen Blitz und Hauptmotiv. Die Nikon F5 unterstützt unter anderem die Synchronisation auf den 2. Verschlußvorhang, die Langzeit-Synchronisation, den Automatischen Aufhellblitz, das TTL-Multi-Sensor-Blitzen, die Kurzzeit-Synchronisation bis zur 1/300 s. bzw. bis zur 1/4000 s. und und und ...

Es lohnt sich in jedem Fall, zur Nikon F5 den größten Nikon Blitz zu erwerben. Und dann viel Zeit mit dem Studium der Bedienungshandbücher und mit Testaufnahmen zu verbringen.

Außer über den Zubehörschuh auf dem Dach des Suchers DP-30 läßt sich ein Blitzgerät über den Kabelkontakt an der Vorderseite des Gerätes anschließen. TTL-Blitzen ist nur über den Zubehörschuh auf dem Sucher möglich, nicht über den Kabelkontakt.
Die Nikon F5 benötigt zur Stromversorgung acht Mignonzellen (Alkali-Mangan oder Lithium) oder aber den als Zubehör erhältlichen Nickel-Metallhydrid-Akku MN-30. Er ist Alkali-Zellen besonders dann vorzuziehen, wenn es um den Einsatz bei sehr kalter Witterung geht. Das passende Ladegerät trägt die Bezeichnung MH-30. Es hat Anschlüsse für zwei MN-30, die hintereinander geladen werden und bietet eine ''refresher''-Funktion (mehrmaliges Laden und Entladen des Akkus hintereinander, um ihn wieder auf seine volle Kapazität zu bringen.) Ein Ladevorgang dauert zwölf Stunden. Ein Anschlußkabel MC-32 mit zwei Bananensteckern wird wie ein Batterieteil ins Gehäuse der Nikon F5 geschoben und gestattet den Anschluß externer Spannungsquellen.
Die Standard-Einstellscheibe der Nikon F5 heißt EC-B. Sie zeigt den 12 mm großen Kreis für die mittenbetonte Messung und eckige Klammern für die fünf AF-Meßfelder. Sie ist eine besonders helle, speziell geschliffene ''BriteView''-Scheibe und läßt sich bei Bedarf leicht gegen eine andere Scheibe wechseln. Die anderen Einstellscheiben für die F-5 tragen zwar dieselben Bezeichnungen wie die entsprechenden Spezialscheiben für die F3 und F4, sind aber nicht mit ihnen austauschbar! Die Namensgleichheit bezieht sich lediglich auf ihre vergleichbaren Eigenschaften.