Nikon F601

Natürlich brach auch die Nikon F601 nicht mit Nikons Tradition der Kompatibilität und deshalb passen alle bisher vorgestellten AF-Nikkore auch uneingeschränkt an die Nikon F601 und die älteren manuellen Objektive mit den bekannten, je nach Typ unterschiedlichen Einschränkungen.

Augenfälligste Neuerung der Nikon F601 ist das eingebaute Blitzgerät mit Leitzahl 13, selbstverständlich TTL-gesteuert und sowohl für matrixgesteuertes als auch mittenbetontes Aufhellblitzen geeignet. Als Nachfolger der nicht mehr produzierten F501 bildet daher die F601 gewissermaßen eine Synthese aus F401 und F801.

Neu in Sachen Blitztechnik ist, daß dabei der bemerkenswerte Bereich zwischen 1/125 und 30 vollen Sekunden zur Verfügung steht, Blitzen mit langen Synchronzeiten ist eine weitere Variante, und die Synchronisation auf den zweiten Verschlußvorhang ermöglicht es, bei geblitzten Bewegungsabläufen eine wesentlich realistischere Darstellung zu erzielen. Eine feine Abstimmung zwischen Blitz- und vorhandenem Licht ermöglicht die Blitzbelichtungs-Korrektur von +1 bis -3 Lichtwerten in 1/3 Stufen. Eingebunden in die fortschrittlichen Blitztechniken sind auch systemkonforme Fremdblitzgeräte, vornehmlich die ins SCA-System integrierten Modelle unabhängiger Anbieter. Wie bei der F401 ist der Blitzreflektor ins Prisma integriert, er wird durch Druck auf die beiden seitlichen Entriegelungsknöpfe in Bereitschaftsstellung hochgeschwenkt.

Beim Themenkomplex Belichtungsmessung und -steuerung, die zweifellos zu den bedeutendsten Funktionen moderner Spiegelreflexkameras zählen, stellt die F601 drei verschiedene Methoden zur Auswahl. Selbstverständlich die 1983 erstmals in der FA gebotene Mehrfeldmessung , die in der F801 zur Matrixsteuerung verfeinert wurde und in den heutigen Modellen in Form der 3-D-Matrixmessung weiterlebt und die dann vorzuziehen ist, wenn man die Regelung der Belichtung schnell und zuverlässig der Automatik überlassen möchte. Bei diesem Verfahren wertet die Kamera das Sucherbild nach Maximalhelligkeit und Motivkontrast aus und nimmt etwaige Korrekturen selbsttätig vor.

Alternativ dazu steht die von der F801 her bekannte mittenbetonte Integralmessung  mit einer Gewichtung von 75:25% zur Verfügung, und schließlich bietet die F601 auch den Komfort der Spotmessung, die zwar nicht die schnellste, in der Hand des erfahrenen Fotografen jedoch die sicherste Methode darstellt.

Nicht nur der Ermittlung, sondern auch der Steuerung der Belichtung kommt in fortschrittlichen Kameras immer größere Bedeutung zu, immer raffinierter werden die Techniken. Bei der F601 kann zwischen Programm- und Multiprogramm-Automatik für schnelle und unkomplizierte Belichtung sowie den drei klassischen Methoden Blenden-und Zeitautomatik und manuellem Abgleich gewählt werden. Im Multiprogramm-Modus registriert die Kamera die in der Elektronik des AF-Objektivs gespeicherten Daten von Brennweite und Anfangsöffnung und verändert dementsprechend die jeweils zugeordnete Kennlinie des Programmverlaufs, um so zu lange, verwacklungsgefährdete Verschlußzeiten zu vermeiden.

Mit dem Programm-Shift hat der Fotograf darüber hinaus die Möglichkeit, jederzeit die von der Kamera gebildete Zeit/Blenden-Kombination in Stufen von 1 EV zu verändern. Wer sich nicht unbedingt in allen Fällen auf die automatische Matrixmessung verlassen möchte, kann in den beiden anderen Meßmethoden per Meßwertspeicherung zusätzlich manuell in die Belichtungsmessung eingreifen. Die dazu erforderliche Betätigung des rückseitigen Schiebeschalters kann mit dem rechten Daumen vorgenommen werden, ohne daß dazu die Kamera vom Auge genommen werden muß.

Großzügig bemessen ist auch der Bereich der Belichtungskorrektur, der über fünf Stufen nach oben und unten in 1/3-Schritten erfolgen kann. Last but not least läßt die F601 auf Wunsch auch Belichtungsreihen automatisch ablaufen (sogenanntes ''Bracketing''), dazu besteht die Wahl zwischen drei oder fünf Aufnahmen nacheinander. Dabei wiederum sind Abstufungen von 1/3, 2/3 oder vollen Lichtwerten möglich.

Ein Feature, über das nicht einmal die teurere und aufwendigere F801 verfügt, ist die ''vorausdenkende'' Scharfeinstellung, auch mit Prädiktionssteuerung gekennzeichnet. In beiden AF-Betriebsarten - S für ''single autofocus'' und CF für ''continuous autofocus'' schaltet die Kamera selbsttätig in diese Funktion um, sobald sie ein sich bewegendes Motiv registriert. Bei AF-Kameras ohne diese Funktion wird die Scharfeinstellung des Motivs im Augenblick der Auslösung gespeichert, und ein unscharfes Foto ist die Folge, da das sich bewegende Objekt innerhalb dieser ''Dunkelphase'' seine Entfernung zum Motiv ja unkalkulierbar verändert.

Gewählt werden kann weiterhin zwischen den Filmtransportarten Einzelbildschaltung mit einem Bild pro Sekunde und Serienschaltung mit 2 B/Sek. Ausgesprochen brillant und informativ zeigt sich der Sucher, der dank High-Eyepoint-Ausführung à la F3 HP, F4 oder F801 auch Brillenträgern den vollen Überblick verschafft. Die bei Nikon bereits seit der F301 übliche Brite-View-Einstellscheibe ist für die angenehme Motivbetrachtung verantwortlich.

Im Sucher angezeigt werden Blende, Verschlußzeit / Filmempfindlichkeit (bei manueller Einstellung), Anzahl der Aufnahmen im Bracketing-Modus, elektronische Analoganzeige, Belichtungs-Betriebsart, Belichtungskorrektur und Schärfenindikator.

Zu den weiteren Features, die die moderne Elektronik ermöglicht, zählen der variable Selbstauslöser, dessen Vorlaufzeit sich zwischen 2 und 30 Sekunden steuern läßt, bei 10 Sekunden Vorlauf können auf Wunsch auch zwei Aufnahmen unmittelbar nacheinander gemacht werden. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß bei Gruppenaufnahmen alle Abgebildeten einschließlich des Fotografen mit ihrem Gesichtsausdruck zufrieden sind und reduziert den Aufwand späterer Nachbestellungen. Der Bereich der DX-Abtastung erstreckt sich über die üblichen ISO 25/15° bis 5000/37°, manuell geht's von ISO 6/9° bis 6400/39°.

Wie bereits angesprochen, kann die F601 trotz des eingebautem Blitzgeräts ihre unübersehbare Verwandschaft zur größeren Schwester F801 nicht leugnen. Diese Ähnlichkeit kommt natürlich nicht von ungefähr, der Hersteller schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Er vereinfacht sich einerseits ganz entschieden die Fertigung, andererseits erleichtert sie demjenigen Benutzer die Bedienung, der bereits mit einer F801 oder wechselweise mit beiden Modellen arbeitet.