Nikon F70

In der Klasse der F801 erschien Ende 1994 die Nikon F70 . Das besonders leise, weiterentwickelte Autofokus-System ist mit einem Kreuzsensor mit besonders breitem Meßfeld ausgestattet.

Das Sensor-Modul erfaßt horizontal 7 mm und vertikal 3 mm. Die kreuzförmige Anordnung der Sensorzellen garantiert blitzschnelle Erkennung selbst feiner Strukturen und bewegter Objekte, die sich nicht präzise in der Bildmitte befinden. Ergänzt wird der Sensor durch einen neuen Mikrocomputer und neue Software, die zur schnelleren und präziseren Verarbeitung der Meßdaten führen und einen leistungsfähigeren Fokussiermotor.

Mit der Umschaltung auf das kleine AF-Meßfeld ist auch die gezielte Einstellung auf einzelne Details möglich. Zur Auswahl steht Einzel-AF mit Schärfenprioriät oder kontinuierlicher AF mit Auslösepriorität für bewegte Objekte. In der Action-Fotografie ist die dynamische Schärfennachführung besonders wichtig: sobald die Kamera eine Objektbewegung erkennt, schaltet sie daher unabhängig von der AF-Betriebsart automatisch auf die dynamische Schärfennachführung um.

Mit drei verschiedenen Belichtungsmeßmethoden, der 3D-Matrixmessung , der mittenbetonten Messung und der Spotmessung ist die F70 auf jede Lichtsituation vorbereitet. Bei der 3D-Matrixmessung ist der Matrix-Sensor in acht Sektoren aufgeteilt. Der Mikrocomputer der F70 ermittelt darin die Motivhelligkeit und den Kontrast zur Bestimmung der optimalen Belichtungsdaten. Bei Verwendung eines AF-D-Nikkors geht zusätzlich die Einstellentfernung in die Rechnung ein, so daß die Motivanalyse verbessert und das Bildergebnis noch weiter optimiert wird.

Bei der mittenbetonten Messung konzentrieren sich 75 % der Meßempfindlichkeit auf den 12 mm großen Referenzkreis in der Bildmitte. Bei der Spotmessung - für selektives Arbeiten - wird das erfaßte Gebiet durch einen 3 mm großen Kreis in der Suchermitte gekennzeichnet. in allen Belichtungsarten ist auf Tastendruck die Speicherung des Belichtungswertes möglich.

Die Nikon F70 bietet mit der Multi-Programmautomatik eine einfache und zugleich schnelle Methode zur Steuerung der Belichtung. Mit der Programmverschiebung läßt sich die automatisch eingestellte Blenden/Verschlußzeiten-Kombination nach Wunsch verändern, wobei der Belichtungswert gleich bleibt. Bei der Blendenautomatik kann die Verschlußzeit von 1/4000 sec. bis 30 sec. in Drittelstufen vorgewählt werden. Zeitautomatik und manuelle Belichtungseinstellung sind ebenfalls möglich. Acht sogenannte VariProgramme für spezielle Motivsituationen bieten eine komfortable Alternative.

Das leistungsstarke eingebaute Blitzgerät mit Leitzahl 14 wurde auf der Kamera etwas höher positioniert als bisherige Geräte und kann dadurch ohne Abschattung mit einer größeren Anzahl von Objektiven kombiniert werden. Es leuchtet den Bildwinkel eines 28mm-Objektives aus.

Durch die spezielle Nikon Blitztechnik ist präzises Arbeiten selbst in schwierigen Situationen möglich. Als erster Kamera mit integriertem Blitzgerät ist der F70 sogar Drei-D-Multi-Sensor-Aufhellblitzen möglich: in der F70 wird die Blitzleistung durch den bewährten Nikon Fünf-Zonen-TTL-Sensor gesteuert. Vor dem Hauptblitz ermittelt dieser Sensor die Helligkeitsverteilung mit Hilfe von nicht wahrnehmbaren Meßblitzen.

Die einzelnen Meßsektoren des TTL-Multi- Sensors messen die Lichtreflexion unter Berücksichtigung der vom AF-D-Nikkor beigesteuerten Entfernungsinformation. Damit wird es möglich, die Lage des Hauptobjektes zu bestimmen und z.B. stark reflektierende oder dunkle, weit entfernte Bildbereiche bei der Blitzsteuerung zu ignorieren.

Diese einzigartige, professionelle Blitztechnik war zuvor nur mit den externen Blitzgeräten SB-25 und SB-26 in Verbindung mit der F-9O und F-9O X möglich. Zusätzlich bietet das eingebaute Blitzgerät der F70 Synchronisation auf den zweiten Verschlußvorhang, Langzeitsynchronisation und die Verringerung roter Augen. Zur individuellen Feindosierung beim Aufhellblitzen läßt sich die Blitzleistung in Drittelstufen von +1 bis -3 EV korrigieren. Zusätzlich sind automatische Blitzbelichtungsreihen möglich.

Das Display ist ein besonders großes LCD-Feld mit farbcodierter Anzeige zur einfacheren Handhabung. Zur Wahl der gewünschten Aufnahmefunktion genügt ein Knopfdruck auf Eingabetasten, deren Farbe auf entsprechende Bereiche im großen LCD-Feld abgestimmt ist. Das Einstellrad wird dann so lange gedreht, bis die gewünschte Anzeige erscheint. Außer Einzelbildern bietet die F70 Serienbilder mit 2 Bildern/sec. oder 3,7 Bildern/sec sowie ''Flüsterbetrieb''.

Die Belichtungsautomatik läßt sich in Drittelstufen von -5 bis +5 EV korrigieren. Die F70 bietet die sogenannte ''Bracketing''-Funktion. Dabei macht die Kamera eine Belichtungsreihe von drei verschiedenen Belichtungen, eine unter- eine nach Messung und eine überbelichtet. Einstellbar sind Abweichungen von je 1/3, 1/2, 2/3 oder 1 EV nach oben und nach unten.

Bis zu drei individuelle Einstellkombinationen sind auf Tastendruck abrufbar und stehen bei Bedarf sofort zur Verfügung. Darüber hinaus kann die Kamera auf Tastendruck sofort auf die Grundstellung zurückgestellt werden.

Nikon bietet auch eine F70 Data an, eine F70 mit Datenrückwand. Sie erlaubt die wahlweise Einbelichtung des Datums in unterschiedlichen Schreibweisen in die rechte untere Bildecke. Leider muß der Interessent sich schon beim Kauf entscheiden, welches Modell er möchte: nachträgliche Ausstattung einer F70 mit einem Datenrückteil ist nicht möglich.